Wildbienenschutz – Teil 2

May 4th, 2010

Im ersten Teil hat Meinrad Lohmüller aus Rottenburg das „Projekt Wildbienenschutz“ vorgestellt. Hier gibt er nun konkrete Tipps, wie jeder selbst etwas zum Schutz der Wildbienen beitragen kann.

Meinrad Lohmüller of „Projekt Wildbienenschutz“ explains how everybody can help to protect wild bees.

Herr Lohmüller, was kann jeder einzelne zum Schutz der Wildbienen beitragen?

Ob Garten, Schrebergarten oder Obstanlage – jeder kann diese Mauerbienen fördern, indem er im Siedlungsbereich, d. h. im heimischen Garten den Mauerbienen entsprechende Nisthilfen anbietet in Form robuster Pappröhren mit einem Innendurchmesser von 9 mm oder spezieller Bienenbrettchen. Die Nisthilfe aus Bienenbrettchen, die übereinandergelegt ebenfalls einen Innendurchmesser von 9 mm haben, lässt sich im Winterhalbjahr öffnen und so können die Nistgänge auf Brut-Parasiten kontrolliert und diese entfernt werden. Mit diesen Nistangeboten lassen sich auch Zuchtstöcke mit Mauerbienen gewinnen, mit denen sich dann auch in einer Obstanlage eine stabile Bestäuber-Population aufbauen lässt.

Diese Art der “Haltung“ und der „Zucht von Bestäubern” für die Belange der Pflanzenzüchtung und der Saatgutproduktion ist nichts Neues. Die Luzerneblattschneiderbiene (Megachile rotundata) wird in den USA schon etwa seit 1970 mit Bienenbrettchen gezüchtet. Von diesen Brettchen haben wir unsere abgeleitet.

Auch bei den Pappröhren konnten wir auf langjährige Erfahrungen mit der nordamerikanischen Mauerbiene (Osmia lignaria) und Versuche in England mit der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) zurückgreifen.

Auch in Deutschland wird z.B. an der Universität Greifswald zusammen mit der Rostocker Obst GmbH seit Jahren am Einsatz der Mauerbienen als Bestäuber gearbeitet. In anderen Ländern ist es seit Jahren Standard, Wildbienen als Bestäuber einzusetzen. So wurde bereits 1975 in Japan auf über 70% der Anbaufläche von Apfelobstbäumen die Ansiedlung von Wildbienen gefördert.

Neben diesen speziell auf die Mauerbienen ausgerichteten Pappröhren und Bienenbrettchen eignen sich für die Wildbienen, die Bewohner von vorhandenen Hohlräumen sind – rund drei Viertel der Wildbienen nisten allerdings im Boden – auch: Holzblöcke aus Hartholz mit Bohrungen von 3, 4, 6, 8 und 10mm, Nisthilfen mit unterschiedlich dicken Schilfhalmen oder Bambusabschnitten. Damit bietet man mehr Arten Nistraum an, die alle wichtige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen sind.

Bild: Blick in zwei Brutzellen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Links im Bild der hintere Nestverschluss aus Lehm, dann das „Pollenbrot“ (eingetragener Pollen, mit Nektar vermischt), die Eiweißnahrung für die Larve; darauf das winzige Stiftei (weiß). Für die wachsende Larve und später für die Puppe bleibt Raum frei, dann folgt die Querwand als Abgrenzung zur nächsten Brutzelle.

Vielen Dank, Herr Lohmüller, und viel Erfolg bei Ihrer weiteren Arbeit!

Meinrad Lohmüller engagiert sich ehrenamtlich für das „Projekt Wildbienenschutz“. Wer seine Arbeit unterstützen will, kann über den Online-Shop des Projekts Nisthilfen erwerben. Die Erlöse aus diesen Verkäufen gehen in die Finanzierung von neuen Bienenschutz-Projekten.


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